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Das Märchen vom „ Fischer un sien Fru „

Begegnung 2014 abseits der Panamericana in der Provinz Los Santos

Es war einmal ein Fischer,der träumte davon, nie mehr Arm zu sein……

….aber erzählen wir doch die Geschichte von Anfang an.

Die Grenze von Costa Rica hatte ich bereits vor mehreren Stunden passiert und war von der Hauptroute, der Panamericana auf eine unscheinbare Nebenstraße abgebogen um mich quer durch das Land an die Pacifikküste durchzuschlagen. Von „Oh, wie schön ist Panama“ wie es der kleine Bär in der gleichnamigen Geschichte von Janosch beschrieb, ist derzeit nichts zu merken. Sagte doch der kleine Bär zu seinem Freund dem Tiger „Panama riecht nach Bananen“.Für mich jedoch keine Spur von Bananengeruch. Hier riecht Panama eher nach einem Mix aus Mangrovensumpf, Rindergülle und Müllverbrennung

Eine menschenleere Landschaft ist dieser dünnbesiedelte Landesteil, dieProvinz Los Santos. Jede Stunde begegnet mir mal ein Einheimischer, meist zu Pferd, und mit einer gefährlich aussehenden Machete an der Seite. Beim Anblick des Reiters muss ich unwillkürlich an die Ballade über den Banditen Pancho Villa denken. Es scheint, als ob jeden Moment eine Postkutschen die staubige Landstraße entlang rasen müsste, gejagt von wild aussehenden Banditen.

Pancho was an Bandit man, wore his guns outside his pants……sang einst Jonny Cash.

Beinahe hätte ich darüber den kleinen Hohlweg verpasst, der laut Karte zu einen Strand führen sollte. Der Geruch von Meer und Seetang verdrängt langsam den Gülle /Mangrovenduft und der Pazifik erstreckt sich in seiner unendlichen Weite und unter einer Palme vor sich hindösend ein Mensch.

Diego Sanchez ,sorry, Capitan Diego Sanchez stand in gestickten Buchstaben auf seinem ehemals blauen Baumwollhemd. Er war ebenso erfreut, hier jemanden anzutreffen und wir kamen gleich ins Gespräch, unterhielten uns lange Zeit über die Landschaft und etwas später, auf die Frage, was er denn hier an diesem einsamen Strandabschnitt mache, eröffnet er mir, Ich warte auf Kunden.

Capitan Sanchez war seit seiner Kindheit Fischer, fuhr täglich mit seiner Pinasse hinaus aufs Meer und konnte Dank der reichen Fischvorkommen so seine Familie ernähren. Eigentlich war er sehr zufrieden mit seinem Leben.

Bis eines Tages ein amerikanischer Tourist, der ähnlich wie ich, sich eher zufällig an diesem Strand verirrte, vom Fischreichtum so beeindruckt war, dass er Diego die Idee nahe brachte, anstatt als Fischer zu arbeiten, doch lieber angelverrückte Touristen sozusagen als Angelguide zu den Fischgründen führen. Diego hatte schnell Feuer gefangen und sah bereits die Balboas (Panamadollars) vor seinen Augen, er bemalte also kurzerhand ein Schild:

Capitan Diego Sanchez Guided Fishing Tours, lies sich sein Baumwollhemd mit dem Namenszug besticken. Und war ab sofort ein neuer Jungunternehmer unter Panamas Sonne.

Na, ja und seitdem sitzt er dort unter der Palme am Pazifikstrand, bastelt an seinem Außenbordmotor herum und wartet auf Kunden.

„Diego, wie viele Kunden hattest Du bisher? „ frage ich. „Also im vergangenen Jahr waren es 2 Kunden und in diesem Jahr bist Du der erste“ bekam ich zur Antwort.

Ich war nicht sonderlich verwundert über die Antwort. Hier, ca. 90 Kilometer Abseits der Panamerikana, in einem ohnehin menschenleeren und touristisch nicht erschlossenem Landstrich das hatte das Ganze schon etwas Paradoxes an sich. Und dennoch, unglücklich schien er nicht zu sein. Seine schwärmereien vom Fischreichtum und den zahlreichen Fischarten des Pazifiks war so ansteckend, dass wir uns für den nächsten Tag zu einem Angeltörn verabredeten.

Bis morgen wohnst Du bei uns meinte Diego kurz und trocken und ich war erfreut über die Einladung. Wie sich später herausstellte, war Diegos Frau Estrella aufgrund der Existenzgründerentscheidung ihres Ehemannes nun in die Rolle der Familienernährerin geschlüpft. Ihr kleiner „Tante Emma laden“,der gleichzeitig auch der Wohnraum der 4 köpfigen Familie war hielt mit seinem kleinen Warenangebot die Familie mehr schlecht als recht über Wasser. Bis spät in die Nacht hinein saßen wir bei reichlich Panamabier und der in Panama obligatorischen Hühnersuppe zusammen und es war danach schon etwas schwierig in die eigens für mich auf der Veranda gespannten Hängematte zu kriechen.

Kurz nach Sonnenaufgang ging es dann hinaus aufs Meer. Die Atmospäre hatte etwas von Hemmingways „Der alten Mann und das Meer“ nicht nur wegen der Auswirkungen des gestrigen Abends.

Nach dem ersten kraftvollen Biss einer Stachelmakrele war ich jedoch schlagartig hellwach. Es folgte „Biss auf Biss,“ Wir fischten den ganzen Vormittag Amberjacks, Gelbflossentunfische, Barakudas, gefräßige Scierras und Corbinas ähnlich unserer Meerforelle, jedoch um ein mehrfaches kämpferischer. So manches mal wünschte ich mir, die Angelsehne würde doch reißen, damit ich nicht zugeben müsste, dass ich keine Kraft mehr zum drillen habe.

Wenn ich heute an diese Begegnung mit Diego zurückdenke, wundere ich mich zwar noch immer über sein panamaisches Marketingkonzept. Aber scheitern bei uns nicht ebenso viele Existenzgründer mangels ausreichend durchdachter, nur durch ihr Bauchgefühl gerechtfertigter Konzepte?

Und so könnte das Märchen vom panamaischen „Fischer un sien Fru“ enden:

…..und wenn er nicht gestorben ist, so sitzt er noch immer jeden Tag unter der Palme am Pazifikstrand wartet auf Kunden und träumt vom großen Reichtum, während seine Frau derweil den Laden schmeißt.

Alles Gute Diego.

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