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Das „Christkindl“ lebt auf La Dique‘

Male‘ 2013

Auf meiner Flucht vor dem Weihnachtsrummel treffe ich den Weihnachtsmann

Christstollen bereits im September, Glühwein aus dem Tetrapack Hektik und Einkaufsrummel. Geben Sie es zu, Sie haben bestimmt auch schon einmal davon geträumt, dem alljährlichen Weihnachtstrubel zu entfliehen.Ich habe es vor einigen Jahren einmal versucht und einen länger geplanten Segeltörn im Indischen Ocean kurzerhand in die Vorweihnachtszeit verlegt. Unser Boot lag bereits im Yachthafen der Hauptstadt Victoria auf Mahe´, der Hauptinsel der Seychellen. Und dort erreichte uns gleich am ersten Tag die Nachricht der Dänischen Fregatte „Absalon“, die zu diesem Zeitpunkt eine führende Rolle in der Piratenbekämfung in diesem Seegebiet hatte, dass wir unseren ursprünglich geplanter Kurs aufgrund von Piratenwarnungen neu überdenken sollten. Das war nicht so schlimm, da die Inselgruppe der Seychellen sich ebenso zur Entdeckungsreise anbot. Hauptsache weg vom Weihnachtsrummel in Deutschland war die einhellige Meinung unserer gesamten Crew. Also, nach Provianteinkauf und dem Ausklarieren ging es am nächsten Tag erstmal zur Insel La Dique und damit vom „Regen in die Traufe“.Die Überfahrt war erholsam, klarer Himmel, Wind 4 und 32 Grad, und… beim ansteuern des kleinen Hafen wurden wir mit „Rudolf the rednose rendeer“ empfangen. Wir schauten uns an. Na ja hier gibt es ja auch Weihnachten. Ob wir falsch navigiert hätten und auf den Weihnachtsinseln gelandet seien meinte Mitsegler Jörg. Das war natürlich scherzhaft gemeint. Die Weihnachtsinseln liegen zwar auch im Indischen Ozean, aber mehr in Richtung Indonesien/Australien und das sind immerhin noch einige Tausend Seemeilen von unserer jetzigen Position.

Aber es sollte noch besser kommen. Nach kurzer Zeit hatten wir das Gefühl, wir waren die einzigen auf der Insel, die nicht als Weihnachtsmann, Weihnachtsengel , ja sogar als Mutter Maria, nebst Zimmer- und Ehemann Josef, verkleidet waren. Fehlten nur noch Ochs und Esel. Und kein Scherz, sogar ein Drittel der heiligen Drei Könige lief uns über den Weg. Später, an Bord erzählte uns Anja sogar, sie hätte das „Christkindl“ gesehen und wir haben es ihr geglaubt. Uns gegenüber rockte eine Gruppe dunkelhäutiger Weihnachtsmänner in warmen roten Weihnachtsmäntel gehüllt, ihr Reperteoir von „Jingle Bells „bis Silent Night.“ Angesichts der Begeisterung und der Inbrunst mit der sie die Songs vortrugen und natürlich auch ein wenig wegen Mittagshitze begann beim einen oder andern bereits der angeklebte weiße Weihnachtsmann Bart zu rutschen. Das Ganze sah schon ein wenig grotesk aus. Eine Straße weiter eine Bluesband, natürlich auch weihnachtlich verkleidet, mit dem selben Lieder Repetoir wie die vorherige Gruppe. Nachdem unsere Bewegungen sich durch die Musik ebenfalls in Richtung „Blues“ verändert hatten, bahnten wir uns einen Weg durch das Gedränge. Weit kamen wir nicht. Ein Zebrastreifen, offensichtlich der einzige Zebrastreifen auf der Insel hielt uns auf. An diesem Zebrastreifen hatte sich eine Gruppe Weihnachtsengel zum gemeinsamen vorweihnachtlichen Jazzdance positioniert. Die Engelchen bzw. Engel wunderhübsch in weiße Engelsgewänder gehüllt, oder besser gesagt gezwängt, waren allesamt bereits im adipösen Bereich der BMI Tabelle ( Body Mass Index) angelangt. Um sich besser als Gruppe orientieren zu können hatten sie sich an den geraden Linien des Zebrastreifen ausgerichtet und tanzten sich, schwitzend, voller Inbrunst die Seele aus dem Leib. Bei 32 Grad im Schatten. Wir schauten wie gebannt diesem etwas absurd anmutenden Szenario zu als sich plötzlich die Choreografie der Gruppe vom Gleichtakt zu Einzeldarbietungen veränderte. Die schwitzende Gruppe war aus dem Takt geraten. Der Grund dafür lag mitten auf dem Zebrastreifen. Einer der schwergewichtigen Engel war offensichtlich beim Landeanflug ins Trudeln geraten und hatte sich dabei voll auf den Rücken gelegt. Das wäre nun nicht weiter schlimm gewesen. Jedoch verhinderten die als starres Gerüst angebrachten Engelsflügel, dass unsere Tänzerin wieder auf die Beine kam. Da lag sie nun auf dem Rücken und strampelte hilflos. Mein Mitsegler Jörg meinte trocken:“ einen gefallenen Engel hatte ich mir immer anders vorgestellt“. Mir drängte sich allerdings noch ein anderes Bild auf. Das strampelnde Wesen sah eher aus wie ein auf dem Rücken liegender Maikäfer der mit ausgebreiteten Flügeln versucht, wieder auf die Beine zu kommen. Mein Vergleich bezog sich dabei ausdrücklich nicht auf die Hautfarbe der armen Tänzerin.

Wir blieben noch einige Zeit auf La Dique und ersegelten und erwanderten auch die anderen „wahren Weihnachtsinseln“ wie wir sie inzwischen getauft hatten. Aber ich glaube, danach sehnte sich insgeheim mancher meiner Mitsegler wieder nach der „ruhigen“, „beschaulichen“ Vorweihnachtszeit in Deutschland zurück, nach „Jingle Bells“ in überfüllten Kaufhäusern, nach Weihnachtsbaumschlagen bei Schmuddelwetter und Glühweintrinken, nach Weihnachtsmännern in langen roten Mänteln und sprechenden Rentieren.

Dennoch, bei dem ganzen erlebten Rummel machte mich Eines nachdenklich. Weihnachten, mal abgesehen vom marketingstrategisch geprägten Weihnachten war ja, wenn ich mich noch recht an meine katholische Kindheit erinnere ursprünglich mal ein Christliches Ereignis. Und von daher war dieses Reiseerlebnis für mich auch gleichzeitig ein schönes Gefühl, zu erleben, wie in in diesem Vielvölkergemisch der Seychellen, Angehörige aller Religionen, Hautfarben und Gesellschaftlichen Stellungen ohne religiöse Vorbehalte gemeinsam ausflippen und kollektiv die Ankunft des Christkindl´s erwarten.

Es gibt also noch Hoffnung.

In diesem Sinne Allen eine schöne Vorweihnachtszeit

Weihnachtstrubel bei 36 Grad
Es gibt doch noch ruhige Plätzchen

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