Nordic Knifedesign

zwischen Bären und Lachsen

Mit dem Schlauchboot in der Wildnis Alaskas

Anchorage 2015

„Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“ sang einst Reinhard May.

OK! Gut und schön aber wenn ich unsere bevorstehende Landung denke wird es mir schon etwas mulmig im Magen. Vor einigen Minuten deutete Hunter auf einen vor uns liegenden etwa 100 m langen Flussabschnitt und meinte: „wir können es hier mal probieren, haben aber nur einen Versuch eh«. Dabei grinste er. Hunter ist ein erfahrener „Gravelbankflieger“ mit über 40000 Flugstunden, der in Alaska bereits viele spektakuläre Starts und Landungen hinter sich gebracht hat u.a auf Berggipfeln, Gletschern und hoffentlich gleich auch auf der kleinen freien Wasserfläche. Er nimmt den Gashebel etwas zurück, korrigiert noch etwas die Trimmung und eine

unsichtbare Hand zieht unsere kleine über 50 Jahre alte „Beaver“ in Richtung Erdboden. Eine Sandbank rast auf uns zu und der Schatten unserer Maschine zeigt uns, dass es gleich rumpeln wird. Und schon hüpfen die überdimensionalen Pontons über das Wasser. Der Motor heult noch einmal auf und verstummt. Das Abenteuer Alaska kann beginnen bzw. hat mit diesem Flug bereits den Anfang gemacht. Wir entladen eilig die Maschine, räumen noch einige größere Steine weg und drehen den Flieger um. Mit einem typischen Alaskascherz – wie unterscheidet man einen Schwarzbären von einem Grizzly?

Antwort: wenn Du auf einen Baum kletterst und der Bär kommt hinterher ist es ein Schwarzbär und wenn er dich vom Baum schüttelt….dann war dein letzter Blick ein Grizzly – verabschiedet sich Hunter, zündet sich eine Havanna an und startet erneut, um die anderen Freunde einzufliegen.

Das war vor 4 Tagen und wir waren ca. 90 Km weiter im Oberlauf des Flusses.

Das Abenteuer, mit zwei Rafting Schlauchbooten einen Fluss im System des Kuskokwim Rivers im menschenleeren Südwesten Alaskas zu befahren, dabei den ab Juli in die Flüsse aufsteigenden Pazifik Lachsen entgegen zu paddeln, zu fischen und die unzähligen Bären( bärenreichste Region Alaskas) die um diese Zeit an die Flüsse kommen beim fischen beobachten hatten uns schon vor längerer Zeit vorgenommen. Hunter, unser Pilot wird uns dann zu einer vorgegebenen Zeit an der Mündung des Flusses wieder abholen.

Ja, die Lachse…auch in diesem Jahr ihrem Lebensrhythmus folgend warten wieder etwa 40 Millionen Pazifische Lachse in Kuskokwimbay, um in ihre Laichflüsse aufzusteigen, abzulaichen und dann zu sterben. Wobei, den „Pazifik-Lachs“ gibt es eigentlich nicht, vielmehr handelt es sich um verschiedene Arten der Gattung Oncorhynchus , den Königslachs, Rotlachs (Sockeye), den Silberlachs (Coho), den Buckellachs und den Keta oder Hundslachs um nur einige zu nennen.

Die Pazifischen Lachse sind, wie auch der Salmo Salar, der Atlantische Lachs eigentlich Süsswasserfische oder werden dort zumindest geboren. Nach dem Heranwachsen wandern sie ins Meer. Danach kehren sie zum Laichen wieder an den Ort ihrer Geburt im Süsswasser zurück. Das dauert je nach Art bis zu 6 Jahren. Am Geschmack des Wassers erkennen sie ihren Geburtsbach. Und anders als der nordatlantische Lachs, der 4 bis 5 mal laichen kann, sterben die pazifischen Lachse nach einmaligen Laichen und dienen so in den nährstoffarmen Laichgewässern ihrem kommenden Nachwuchs als Nahrung.

Unsere beiden Schlauchboote liegen inzwischen gut vertäut am Ufer, die Zelte sind aufgebaut und wir stehen bereits alle 4 im kalten rasch dahin fließenden Wasser und fischen unser Abendessen. Der „Run“ der Lachse ist voll im Gange. Wie in einer unaufhörlichen Rush Hour auf einer Schnellstraße, nur dass sich die Lachse beim überholen nicht um rechts oder links vorbei kümmern. Wir werden teilweise sogar von ihnen angerempelt.

„Fish on“ der Ruf der Fliegenfischer in aller Welt wie elektrisiert erstarren lässt ertönt bereits nach kurzer Zeit einige Meter neben mir. Und wie der Drill beginnt, der silberne Kämpfer zieht bis zur Erschöpfung immer wieder in die Strömung und dennoch nach einiger Zeit liegt ein wunderschön gezeichneter ca. 4 Kilo Dolly Varden am Ufer. Der Dolly Varden ist ein Fisch aus der Familie der Saiblinge. Er begleitet die Lachse auf ihrem Weg zum Laichgebiet und ernährt sich von deren Lachseiern. Thomas freut sich, er ist aus dem Schneider und unser Abendbrot ist gesichert. Wir haben unter uns eine Abmachung. Jeweils der letzte von uns der einen Fisch fängt, bzw. keinen fängt muss kochen. Für mich ist das weniger Schlimm. Ich bin leidenschaftlicher Koch und habe mir für unser heutiges Menü etwas besonderes ausgedacht.

Lieber Leser, Sie haben sich sicher schon gewundert, warum ich auf meinen Reisen immer eine Eckernförder Zeitung mit nehme. Hier ist die Auflösung. Eine Zeitung lässt sich hervorragend in einen „Dampfgarer“ verwandeln. Also, man nehme: einen frisch gefangenen Lachs ( es darf natürlich auch ein anderer Fisch sein).Nach dem ausnehmen wird er etwas gesalzen .

Die Zeitung, je nach Fischgröße ca. 4-6 Doppelseiten wird einige Zeit gewässert. Danach der Fisch komplett darin eingewickelt und für ca. 15-20 Minuten ab in die Glut des Lagerfeuers. Das ist alles. Die Hitze der Glut sorgt dafür, dass die Feuchtigkeit im Zeitungspapiersich erhitzt und den Fisch „dampfgart“. Wenn die ersten zwei bis drei Zeitungspapierschichten langsam verglimmen dann ist der Fisch fertig. Das ganze Paket wird aus dem Feuer genommen und ausgewickelt. Meist bleibt die Haut des Lachses beim auspacken an der Zeitung kleben und vor einem liegt ein wunderschön gegarter dampfender rosafarbener Saibling, Lachs oder anderer Fisch. Noch etwas Salz darauf und sobald das „Zwiebel Bannock“ (ein ebenfalls in der Glut frisch gebackenes indianisches Brot) fertig ist kann ich damit die anderen aus dem Wasser locken. Fehlt nur noch ein kühle Dose Alaskan Amber Beer und mehr braucht es nicht um glücklich zu sein zwischen Bären und Lachsen im „weiten Land “, wie die Ureinwohner der Aleuten Alaska früher nannten. Na Jungs! wollen wir noch eine Runde „Fischen“ (der Alaska Tag bietet um dies Jahreszeit fast 23 Stunden Tageslicht). Und morgen gibt es dann vielleicht ein scharf gewürztes Lachscurry in Kokosmilch, oder vielleicht doch lieber Wildkräuterpfannkuchen mit Lachstartar und Kaviar gefüllt?

Die Bären sind los!

„“Moin“ sagte der Mann aus Schleswig-Holstein und „Moin“ antwortete die Indianerin.

Von weitem sahen wir bereits den Lagerplatz am Fluss mit den zum trocknen aufgehängten Lachsseiten. Ein derartiges Bild ist in dieser Jahreszeit nicht ungewöhnlich. Die Lachse sind unterwegs zu ihren Laichgründen und wir stoßen während unserer Schlauchbootreise immer wieder auf solche einheimische Fischlagerplätze. Über ein großes Schöpfrad, ähnlich einer von der Strömung angetrieben Wassermühle werden die gegen die Strömung anschwimmenden Lachse sozusagen direkt in die Hände der Fischer geschaufelt. Eine indianisch aussehende Frau mittleren Alters stand am Holztisch und filetierte mit einem „Ulu“, einem hier gebräuchlichen indianischen Arbeitsmesser die Fische. Nun passiert es mir immer mal wieder, egal, wo ich auf der Welt herumreise, dass meine Eckernförder Gepflogenheiten durchkommen und mir bei der Begrüßung ein „Moin“ über die Lippen kommt. Aber dass ebenfalls mit einem „Moin“ geantwortet wird, hätte ich zumindest hier in der Wildnis nicht erwartet. Wir mussten beide lachen und Asja eine Alaskan Native vom Stamme der Yupik klärte mich auf. Die Yupik in Westalaska gehören eigentlich zu den Inuit und sind somit keine „Indianer“ im eigentlichen Sinne. Wieder was dazu gelernt. Und das „ Moin“ ja das war ein Überbleibsel von ihrem früheren Lebenspartner, einem Deutschen Einwanderer aus SH. Die Verbindung hatte nicht gehalten, jedoch das „Moin“ und einige Plattdeutsche Vokabeln sind geblieben.

Einige Flusskilometer weiter.

Was würde wohl passieren , wenn ich alle Vorsicht beiseite lassend den beiden Braunbären am anderen Ufer auch ein „Moin“ hinüber rufe? Besser nicht, Bärenbegegnungen sind auf unserer Tour an der Tagesordnung. Und obwohl die Bären in dieser Zeit eher auf Lachse fixiert sind, sollte man dennoch in höchstem Maße Vorsichtig sein und eher Zurückhaltung üben. Frank meinte vorhin im Boot „ Das Beste bei einem Bärenangriff ist immer noch weglaufen“! Mann muss ja nicht schneller als der Bär sein, nur schneller als der Tourenpartner. „Na gut, jetzt weiß ich, woran ich bei dir bin. Ich werde ab morgen ein Lauftraining beginnen“ antworte ich scherzhaft.

Die beiden jugendlichen Braunbären dort drüben lassen sich durch uns jedoch nicht stören. Unaufhörlich flitzen sie hinter den davon schießenden Lachsen her und bleiben dennoch meist ohne Beute. Derzeit treffen sich zahlreiche Bären an den Flüssen (Der Katmai Nationalpark hat beispielsweise die dichteste Grizzly Population in Alaska) um sich für den kommenden Winter dick und rund zu fressen. Die zum Teil mehr als

3 Meter großen Kolosse verschlingen pro Tag etwa 40 Kg Lachs, wobei die Feinschmecker meist nur das Beste, die fettesten Teile, Haut, Hirn und den Rogen entnehmen. Sie brauchen das Fett, damit sie dann mit etwa 100 Kg mehr auf den Rippen, sich in den Winterschlaf begeben können.

Und auch die restliche Tierwelt hat keine Zeit zu verlieren. Schon im September wird sich der Winter bereits wieder ankündigen. Die jungen Elchbullen, angetrieben von ihren Hormonen messen ihre Kräfte in zähen Zweikämpfen mit den Nebenbuhlern. Die großen Bullen können nur über das Getue der Jugend Grinsen. Sie graben ein Loch, und hinterlassen dort ihren Duft. Das genügt schon. Nun muss er nur noch sein prächtiges Geweih zur Schau stellen und die Elchdamenwelt schmachtet dahin. Überall ist die Tierwelt zu beobachten und wir können uns nicht satt sehen an Karibu Herden die die seichten Stellen des Flusses überqueren, an Fischadlern die uns im Tiefflug fast streifen, an den fleißigen Bibern und an Fischottern. Sogar einen Vielfraß hatten wir beim fressen gestört. Einzig, auf die dichten Mückenschwärme, die uns manchmal überfielen hätten wir gerne verzichtet.

Unsere gemeinsame Zeit in Alaska geht zu ende. Wir genießen noch den letzten Abend am Lagerfeuer und lassen die vergangenen Tage bei Fireball Cinnamon Whisky und Kubanischen Zigarren (nur wegen der Mücken) Revue passieren. Morgen werden wir am vereinbarten Treffpunkt sein und Hunter unser Pilot bringt uns wieder zurück in die Zivilisation. Die Freunde fliegen wieder zurück in ihre Heimatländer und ich hab´mir in Anchorage noch einen Mietwagen reserviert und möchte noch einen Bekannten in der Gegend von Talkeetna besuchen. Evtl. klappt es diesmal, dass Karl May (er heißt wirklich so wie der Schriftsteller meiner Jugend) und ich in den Bergen auch mal Gold finden werden.

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